Das Healthy Building Network – Netzwerk für „gesundes Bauen“

Das Healthy Building Network - Netzwerk für „gesundes Bauen“
© Healthy Building Network

Als Innovationsnetzwerk und Wissensplattform ist das Healthy Building Network, kurz HBN, auf das Thema „gesundes Bauen“ spezialisiert, da dieses Thema zunehmend in den Fokus der Öffentlichkeit und insbesondere der Bauwirtschaft rückt.

Ziel des HBN ist es, Unternehmen dafür zu begeistern, Bauvorhaben „gesund“ zu planen und zu realisieren. Darüber hinaus vermittelt das HBN wissenswerte Informationen zu den Themen Kreislaufwirtschaft, Einsatz nachhaltiger Materialien und Energieeffizienz. Mit dem HBN soll ein Beitrag geleistet werden, um den Mittleren Niederrhein und die niederländische Grenzregion als Modellregion für „gesundes Bauen“ zu etablieren.

Partner dieses Projektes sind der Kreis Viersen, die Städte Venlo, Krefeld und Mönchengladbach sowie die Universität Maastricht als wissenschaftliche Institution.

Was ist ein Healthy Building?

Das HBN definiert ein gesundes Gebäude folgendermaßen: „Ein Healthy Building ist ein Gebäude, welches das körperliche, geistige und soziale Wohlbefinden seiner Nutzer und deren Umgebung maximal fördert.“ Ein Healthy Building kann dabei unter anderem durch die Verwendung von natürlichen und unverarbeiteten Materialien, durch ein natürliches Belüftungssystem oder druch das Design selbst geschaffen werden.

Exkurs: Das neue Venloer Rathaus

Mit einem kurzen Exkurs zum Neubau der Stadtverwaltung in Venlo soll Ihnen ein erster Eindruck über „gesundes Bauen“ und die damit verbundenen Möglichkeiten und Vorteile vermittelt werden.

Der Neubau der Stadtverwaltung in Venlo ist ein herausragendes Beispiel für ein „gesundes” Gebäude, welches sich aus einer Kombination vieler verschiedener Maßnahmen zusammensetzt:

Energie: Die Energieversorgung des Gebäudes erfolgt auf unterschiedliche Weise. Beispielsweise über Solaranlagen auf dem Dach. Zudem nutzt die Stadtverwaltung Erdwärme. Auch durch die Nutzung passiver Sonnenenergie, das heißt durch in das Gebäude einfallende Sonnenstrahlen, wird Energie gewonnen (Baunetzwissen, 2020). Diese Energienutzung bzw. diese eigenständige Energieerzeugung stellt einen finanziellen Anreiz dar.

Fassadenbegrünung: Eine weitere Maßnahme, die dem Betrachter direkt ins Auge springt, ist die 200 Quadratmeter große Fassadenbegrünung (Baunetzwissen, 2020). Wie bereits in unserem Beitrag zur „Dachbegrünung bei Gewerbebauten“ näher erläutert, bietet auch eine Fassadenbegrünung in vielerlei Hinsicht Vorteile. So kann beispielsweise sowohl ein schnelles Aufheizen, als auch ein schnelles Abkühlen der Gebäude verhindert werden. Damit können Energie eingespart und Kosten reduziert werden. Zudem verbessert sich die Luftqualität im Umfeld durch die Filtration von Feinstaubpartikeln. Auch für den Natur- und Artenschutz kann die Fassadenbegrünung einen positiven Beitrag leisten, da Lebensräume für Insekten- und Tierarten geschaffen werden.

Regenwassernutzung: Durch eine eigene Pflanzenkläranlage wird Regenwasser aufgefangen, aufbereitet und für die Toilettenanlagen genutzt (Baunetzwissen, 2020).  Das Auffangen von Regenwasser stellt ebenfalls einen finanziellen Anreiz dar, da anfallende Abwasserkosten reduziert werden.

Verwendung nachhaltiger Materialien: : „Gesundes Bauen“ schlägt sich beim Neubau der Stadtverwaltung Venlo auch in der Verwendung nachhaltiger Materialien nieder. Für den Boden wurde beispielsweise ein Belag aus recycelten PET-Flaschen verwendet (Baunetzwissen, 2020). Aus ökologischer Sicht können so Ressourcen geschont werden.

Grundrissgestaltung: Auch mit der Grundrissgestaltung leistet das Gebäude der Stadtverwaltung Venlo einen Beitrag für „gesundes Bauen“. Die flexibel und offen gestalteten Arbeitsplätze werden durch viele Glaselemente mit ausreichend Tageslicht versorgt (Baunetzwissen, 2020). Hierdurch wird das Arbeitsumfeld aufgewertet.

Durch eine Kombination dieser und weiterer Maßnahmen können Mehrwerte geschaffen werden. Studien haben in diesem Zusammenhang bewiesen, dass sich das Arbeitsumfeld auf das Wohlbefinden und die Produktivität der Mitarbeiter auswirkt und auch einen positiven Einfluss auf den Krankenstand haben kann.

Mit welchen Kosten muss gerechnet werden?

Das Bauen von „gesunden“ Gebäuden ist im Vergleich zur konventionellen Bauweise nicht wesentlich teurer. Nach Auskunft des HBN ist mit Mehrkosten von bis zu 5 % zu rechnen. Diese Kosten beziehen sich jedoch lediglich auf die Investitionskosten. Im Gebäudebetrieb lassen sich beispielsweise durch die bereits genannten Maßnahmen, wie der Nutzung von passiver Sonnenenergie oder der Nutzung von Regenwasser, Kosten sparen. Hinzu kommt, dass durch die Produktivitätssteigerung der Mitarbeiter und dem verringerten Krankenstand finanzielle Mehrwerte geschaffen werden können. Beispielsweise hat sich in Venlo der Krankenstand der Mitarbeiter von 5 auf 4 Prozent reduziert.

Das HBN bietet Ihnen ein Tool an, mit dessen Hilfe Sie selbst Szenarien und Kosteneinspareffekte berechnen können. Einerseits können Sie ein „gesundes“ Gebäude mit einem herkömmlichen Gebäude vergleichen, andererseits bietet es Ihnen die Möglichkeit, herkömmliche Materialien mit nachhaltigen Materialien und Systemen zu vergleichen.

Welche Fördermöglichkeiten bietet das HBN?

Das HBN bietet Ihnen sogenannte Innovationsgutscheine an. Dabei handelt es sich um eine Gutscheinregelung, die kleine und mittlere Unternehmen (KMU) bei ihren Innovationsvorhaben rund um das Thema „gesundes Bauen“ unterstützen soll. Denn viele gesunde Bauprojekte in unserer Region basieren auf dem Know-how externer Beratungen. Solche Beratungsdienstleistungen können mit dem Innovationsgutschein des HBN finanziell bezuschusst werden. Damit können Sie als Unternehmer das gewünschte Know-how vergünstigt bei Forschungs- und Bildungseinrichtungen oder bei anderen Unternehmen einkaufen.

Gibt es Beispiele für „gesundes Bauen“?

Neben dem Leuchtturmprojekt in Venlo gibt es am Mittleren Niederrhein weitere Bestrebungen, Gebäude „gesund“ zu bauen. Nachfolgend finden Sie eine Liste mit Beispielen aus dem Bezirk der IHK Mittlerer Niederrhein, die beabsichtigen, nach den Vorgaben eines Healthy Building zu bauen.

Wir weisen darauf hin, dass mit der Aufnahme der Beispiele in die Liste keine qualitative Wertung durch die IHK verbunden ist. Gerne ergänzen wir diese Liste um weitere Beispiele aus unserem IHK-Bezirk. Bei Interesse sprechen Sie uns gerne an.

 

 

Quellenverzeichnis:

Baunetzwissen (2020): Stadtverwaltung in Venlo. 200 Quadratmeter große Grünfassade und Curtain-Wall-System (Abrufbar unter: https://www.baunetzwissen.de/fassade/objekte/buero-verwaltung/stadtverwaltung-in-venlo-5285179, letzter Zugriff: 16.10.2020).